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"Meine Mannschaft ist besonders mutig"

Ein ausführliches Interview mit dem Trainer des Damenhandballteams, Jan Lengelsen.

Einer unserer Hauptakteure in unserer Damenhandballmannschaft des PSV Linz ist unser Trainer Jan Lengelsen. Wir haben ihm einige Fragen gestellt, um einerseits ein Bild von ihm als Person zu bekommen und andererseits das Team und den Sport an sich aus seinem Blickwinkel kennenzulernen.

Sally: Lieber Jan, wir fangen gleich an: kannst du uns zu Beginn ein bisschen etwas über dich erzählen? 

Jan: Ich bin ein netter Kerl, ich bin einer von den Guten (haha). Im Ernst, ich heiße Jan, bin 41 Jahre alt und habe einen wundervollen Sohn. Ich bin Psychologe und denke, ich habe dadurch ein gewisses Einfühlungsvermögen für die Mannschaft und für mich selbst. 

Sally: Erzähl uns bitte mal von deiner Handballkarriere

Jan: Mit vier Jahren habe ich bereits Handball gespielt. Ich habe dann in Deutschland, im Senioren- bzw. im Erwachsenenbereich quasi, bis zur Oberliga gespielt. In Österreich dann in der Regionalliga (das war in Wien). Ich habe mit 34, also nach ca.  30 Jahren, dann als Spieler aufgehört und noch ein Jahr eine Mannschaft trainiert. Ich bin aber zu diesem Zeitpunkt beruflich umgezogen und habe Handball erstmal ganz an den Nagel gehängt … bis mich ein paar Damen in der Krabbelstube angesprochen haben, ob ich sie nicht trainieren möchte. Und so ist das ja hier alles zustande gekommen. Genau. Und nebenbei, ich bin zwei Meter groß und Single 😊

Sally: Das ist eine super Überleitung - kommen wir gleich zur nächsten Frage über uns, nämlich, was macht unser Team besonders? Was ist unsere größte Stärke? 

Jan: Also da muss ich sagen, meine Mannschaft ist besonders mutig. Dass sie sich dieser Herausforderung gestellt haben und sogar die Sektion gegründet haben. Das Besondere ist, dass alles in Eigeninitiative passiert ist: sie haben mich gefragt, ob ich das Training gestalten möchte, mit Unterstützung des PSV Linz eine Halle organisiert und zahlreiche Spielerinnen gefunden. Und es sind ja alles komplette Anfängerinnen, die im Erwachsenenalter mit einem komplett neuen Sport starten. Ich finde das richtig cool, weil es kein Sport ist, der leicht von der Hand geht - man braucht viel Mut und ich finde – nochmals – dass dies die große Stärke des Teams ist. Ich trainiere sie wirklich gerne. 

Sally: Welche persönlichen Ziele hast du als Trainer? 

Jan: Ja, also es ist natürlich anders als eine „Standard“ Mannschaft zu trainieren. Es kann tatsächlich hin und wieder herausfordernd sein. Ich finde es manchmal schwierig mich darauf einzustellen, da normalerweise in einer Handballmannschaft eine klare, hierarchische Struktur herrscht. Und das ist ja hier ein bisschen anders (lacht). Hier muss man diplomatischer sein. Das gefällt mir aber auch. Und man muss Dinge, die man selber schon tausendmal gemacht hat und die man für ganz selbstverständlich hält, hinterfragen und lernt selber noch was dazu. Das gefällt mir sehr. 

Sally: Schön, dass wir deine diplomatischen Künste fördern. Noch eine Frage zum Team - was war auf dieses Team bezogen dein schönster Moment als Trainer? 

Jan: Das kann ich genau sagen. Grundsätzlich, wenn man Handball spielt, versucht man Druck auf die Abwehr oder aufs Tor zu erzeugen. Und deswegen sollte man nicht im Stehen, sondern schon im Laufen in Richtung Tor quasi den Ball annehmen. Mein schönster Moment war, wie ich - für mich eben selbstverständlich - gesagt habe, ihr sollt in der Bewegung den Ball annehmen, und plötzlich ist jede einzelne Spielerin in eine andere Richtung losgelaufen. Das war schön und außerordentlich lustig. 

Sally: Ja, das war tatsächlich ein schöner Moment. Ich kann mich gut daran erinnern. 

Jan: Ja, aber das meine ich. Es ist ja nicht selbstverständlich zu wissen, in welche Richtung man jetzt läuft. Aber wenn man es einmal weiß, dann ist es natürlich klar, aber das muss ja erstmal vermittelt werden. 

Sally: Wenn du Handball in drei Worten beschreiben müsstest, welche wären das? 

Jan: Entschlossenheit, Durchsetzungsstärke und Cleverness.

Sally: Das klingt gut. Wieder auf uns bezogen, was motiviert deine Spielerinnen am meisten? Der sportliche Ehrgeiz oder eher das gemeinsame Erlebnis.

Jan: Ich glaube, da kann ich ziemlich sicher sagen, es ist das gemeinsame Erlebnis. Und vielleicht auch die Gesellschaft nach dem Training. Es ist insgesamt eine Mischung aus beiden. Der Wille ist jedenfalls spürbar und ich finde, dass sich die Spielerinnen super weiterentwickeln. Es besteht eine Gruppendynamik, die einfach extrem angenehm ist und wirklich sehr viel Freude bereitet, da diese zusätzlich zum eigenen Ehrgeiz eine große Wirkung hat. 

Sally: Wie gestaltest du das Training, um Technik, Taktik und Teamgeist gleichermaßen zu fördern? 

Jan: Ja, das sind ganz klar meine drei Hauptziele (lacht). Grundsätzlich habe ich schon immer eine Idee, was ich im Training machen möchte, daher, was wir inhaltlich erreichen wollen. Trotz des Plans in meinem Kopf schaue ich schon immer sehr situationsspezifisch, wie sich die Gruppe im jeweiligen Training fühlt und verhält: Ich schaue, was möglich ist und wie Hindernisse überwunden werden können. Ich meine damit genau das, was ich vorhin schon gesagt habe, nämlich Sachen, die für mich selbstverständlich sind, müssen zeitweise gut und verständlich rübergebracht werden. Ganz wichtig – der Spaß darf dabei niemals verloren gehen…zu autoritär geht es nicht. Da wäre der Ofen wahrscheinlich sofort aus.

Sally: Es sind ja auch wirklich lauter submissive Persönlichkeiten, muss man sagen. Da kann ich gleich ansetzen. Welche Rolle spielt Spaß im Training? 

Jan: Das ist ganz wichtig. Es darf nicht albern werden, sodass man nichts Sportliches mehr macht, aber insgesamt ist es, glaube ich, extrem wichtig. Ohne dem geht es nicht.

Sally: Gibt es bestimmte Rituale oder Traditionen im Team, die den Zusammenhalt stärken?

Jan: Alle gegen mich. Punkt. Keine Ergänzungen. 

Sally: Ich springe jetzt nochmal in die Vergangenheit. Hast du für dich ein persönliches Ritual vor einem Handballspiel?

Jan: Ja, ganz normal, dass man seine Sachen mitnimmt, dass man pünktlich ist und so weiter. Dann brauche ich immer ein paar Minuten für mich und die verbringe ich damit ganz langsam, präzise und fest meine Schuhe zuzumachen. Während dieser Zeit komme ich zur Ruhe und denke darüber nach, was ich gleich vorhabe. Ich atme ein und aus und konzentriere mich. Da ist für mich der Punkt, wenn ich die Schuhe dann anhabe, wo ich im Handballmodus bin. 

Sally: Kannst du den Handballmodus mal beschreiben, im Gegenzug zu einem normalen Modus? 

Jan: Kompromisslos. Es klingt jetzt doof, aber so eine Art Kampfmodus, also so, dass man gewisse Nettigkeiten ablegt, bis der Schiedsrichter das Spiel wieder abpfeift. Man muss in den ehrgeizigen und durchsetzungsstarken Modus wechseln.

SallyIn dem Sinne, was hältst du von dem Wort „Entschuldigung“? 

Jan: Das ist sehr schwierig. Grundsätzlich menschlich halte ich das für ein sehr wichtiges Wort und das sollte jeder gut beherrschen. In dieser Mannschaft hat es sich anfangs ein bisschen zu sehr etabliert. Es ist sehr schwierig, weil ihr euch ständig entschuldigt habt, aber Handball ist nun mal ein Vollkontaktsport und da bleiben gewisse Berührungen – teils auch ruppig – nicht aus und da kann man sich natürlich nicht ständig entschuldigen. Klar, es gibt eine Grenze, da sollte man sich auch entschuldigen, aber einmal reicht. Ich finde, es hat uns anfangs ein bisschen gehindert uns weiterzuentwickeln, weil der Fokus oftmals bei der Entschuldigung anstatt des Spielzugs lag.

Sally: Last but not least, wenn du dein Team in drei Worten beschreiben müsstest, was wären diese. 

Jan: Mutig, humorvoll und idealistisch.

Sally: Gibt es noch was, was du potenziellen Neuanfängern gerne sagen würdest. 

Jan: Ja, gerne. Häufig ist es so, dass man sich denkt: „Handball kenne ich nicht, habe ich noch nie gespielt, das ist nichts für mich oder ich kann das nicht so gut.“ Das sollte kein Hindernis sein. Es sind alle Anfängerinnen und das ist genau gut so. 

Also, ich möchte euch sagen: Wer Freude an der Bewegung hat, wer gerne einen Mannschaftssport mit netten Leuten ausüben möchte, dann ist man bei uns goldrichtig. Ich verspreche, wir sind meistens ziemlich lustig und gleichzeitig nehmen wir unser Training ernst.

Sally: Danke Jan, dass du dich unseren Fragen gestellt hast. Wir sind somit am Ende angelangt – ich freue mich wieder auf das Training nächsten Montag um 19:00 Uhr.

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